Die Hirschlausfliege: Was Sie über den Schädling wissen müssen
Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem Hund oder Pferd im Wald unterwegs und plötzlich beginnt Ihr Tier unruhig zu werden, kratzt sich hektisch oder wird sogar panisch. Später entdecken Sie ein kleines, flügelloses Insekt in seinem Fell, das sich hartnäckig festgesetzt hat. Die Diagnose: Hirschlausfliege.
Dieser oft als fliegende Zecke bezeichnete Schädling sorgt neben Stechmücken und Bremsen besonders in den Sommermonaten für Aufsehen – und leider auch für Unbehagen bei Mensch und Tier.

Fliegende Zecken: Warum Hirschlausfliegen für Verwirrung sorgen
Viele Menschen sprechen von „fliegenden Zecken„, wenn sie eigentlich die Hirschlausfliege meinen. Der Grund: Das Insekt sieht auf den ersten Blick einer Zecke sehr ähnlich, besitzt jedoch Flügel – zumindest, bis es sein Ziel erreicht hat. Hirschlausfliegen sind Parasiten, die ihre Flügel abbrechen, sobald sie auf einem Wirt landen. Danach krabbeln sie wie Zecken durch das Fell oder die Haare ihres Opfers und saugen Blut. Diese bizarre Verhaltensweise verwirrt viele und trägt zum Mythos der „fliegenden Zecke“ bei.

So erkennen Sie die Hirschlausfliege
Aussehen der Schädlinge
Die Hirschlausfliege (Lipoptena cervi) ist ein flacher, etwa 3-6 mm langer Parasit mit einem robusten, braunen Körper. Sie hat sechs Beine, die mit Krallen ausgestattet sind – ideal, um sich im Fell oder auf Kleidung festzuklammern. Ihre Flügel sind durchsichtig und werden nach der Landung abgeworfen, was sie deutlich von normalen Fliegen unterscheidet.
Vorkommen und Jahreszeit
Hirschlausfliegen bevorzugen waldreiche Gebiete und sind hauptsächlich in den Monaten August bis Oktober aktiv. Diese Jahreszeit fällt auch mit der Hauptsaison für Spaziergänge im Wald zusammen, was das Risiko für Hundebesitzer, Reiter und Wanderer erhöht.
Woran erkennt man einen Befall?
Ein akuter Befall ist oft an Unruhe, Schütteln, Beißen oder Kratzen Ihrer Tiere zu erkennen. Pferde zeigen mitunter panikartiges Verhalten. Hunde können sich heftig schütteln oder vermehrt an bestimmten Stellen lecken. Beim Menschen bleibt oft nur ein juckender Hirschlausfliegen-Stich, der lange sichtbar ist.
Schadwirkung: Wie gefährlich ist die Hirschlausfliege?
Für den Menschen
Ein Stich der Hirschlausfliege beim Menschen ist zwar in der Regel nicht gefährlich, aber ausgesprochen unangenehm. Die Stiche sind schmerzhaft, können jucken und teilweise wochenlang entzündet bleiben. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Ein noch nicht mit Sicherheit bestätigtes Risiko stellt auch eine mögliche Infektion mit Bakterien dar. Denn Hirschlausfliegen tragen oft den Erreger Bartonella schoenbuchensis in sich.

Für Hunde
Hirschlausfliegen beim Hund führen zu großem Stress. Besonders bei dichtem Fell nisten sie sich tief ein. Die Haut kann sich entzünden, kahle Stellen oder Ekzeme können entstehen. Auch das Risiko einer Sekundärinfektion ist gegeben.
Für Pferde
Bei Pferden ist die Hirschlausfliege besonders problematisch. Durch die Reaktionen wie Kopfschütteln oder Ausschlagen besteht eine erhöhte Unfallgefahr für Reiter. Wunden durch Hirschlausfliegen am Pferd können sich entzünden und zu langwierigen Hautproblemen führen.
Bekämpfung: Was hilft gegen Hirschlausfliegen?
Nützlinge wie Schlupfwespen helfen leider nicht gegen diese Plagegeister. Jedoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf völlig natürliche Weise vorzugehen, um die Hirschlausfliege effektiv zu bekämpfen.
Empfohlene Produkte und deren Anwendung
- Bremsenspray für Pferde hält auch andere Insekten fern: Vor dem Ausritt großflächig auf Hals, Bauch, Brust und Beine aufsprühen. Besonders an warmen Tagen im Waldgebiet ist eine wiederholte Anwendung sinnvoll.
- Pferdeshampoo: Bei einem akuten Befall hilft ein intensiv reinigendes Shampoo, um den starken Eigengeruch zu entfernen und die Haut zu beruhigen. Dieses Shampoo kann natürlich auch bei Hunden angewandt werden.
- Pferdedeo Konzentrat: Hierbei handelt es sich um die kostengünstige Variante des Bremsensprays, da Sie die Mischung selbst mit Wasser ansetzen können.
Natürliche Hausmittel gegen die Hirschlausfliege
1. Sprühmischung gegen Hirschlausfliegen:
- 5 g gemahlene Neemsamen
- 100 ml destilliertes Wasser
- 10 Tropfen Lavendelöl
- 10 Tropfen Teebaumöl
- 5 Tropfen Eukalyptusöl
- 1 TL Apfelessig
Lassen Sie die Neemsamen für etwa 3 Stunden im Wasser quellen. Danach durch ein feines Sieb filtern (z. B. durch einen Nylonstrumpf). Im Anschluss die ätherischen Öle und den Apfelessig untermischen, gut schütteln und in eine Sprühflasche füllen. Vor jeder Anwendung schütteln und auf Kleidung oder Haut auftragen. Vorher die Hautverträglichkeit prüfen.
Falls Sie darüber nachdenken, dieses Hausmittel für Ihre Tiere nutzen zu wollen, denken Sie bitte an die häufige Unverträglichkeit ätherischer Öle. Pferde vertragen sie in der Regel recht gut, wohingegen bei Hunden Vorsicht geboten ist. Speziell Teebaumöl ist für Hunde hochtoxisch und deshalb auch nicht geeignet. Testen Sie die Verträglichkeit der anderen Öle am besten.
2. Mischung gegen Hirschläuse bei Hund und Pferd:
- 1 EL Kokosöl
- 5 ml Apfelessig
- 3 Tropfen Citronellaöl
- 1 Tropfen Pfefferminzöl
- 2 Tropfen Lavendelöl
Diese Mischung sollte bei Hunden und Pferden gleichmäßig auf das Fell aufgesprüht werden. Neben dem schützenden Effekt, pflegt das Kokosöl zusätzlich die Haut.
Weitere Maßnahmen gegen die lästigen Insekten
- Mechanisch: Pferd und Hund sofort nach dem Spaziergang auf Insekten kontrollieren. Suchen Sie besonders den Rücken- und Nackenbereich ab.
- Biologisch: Die Hirschlausfliege hat kaum natürliche Feinde. Am ehesten helfen Vögel, Fledermäuse oder Raubinsekten, wie Spinnen und Raubfliegen, bei der Populationskontrolle der Schädlinge. Gestalten Sie Ställe und Gärten deshalb am besten so, dass sich diese nützlichen Helfer wohlfühlen. Hierzu können Sie Nistkästen anbringen, die Vögeln eine Unterkunft bieten. Das Anpflanzen insektenfreundlicher Pflanzen wie Lavendel, Kornblume, Margerite, Sonnenhut, Wildrosen und Holunder fördert die Anwesenheit von Nützlingen. Und zu guter Letzt sollten Sie auch Spinnen tolerieren, da sie viele lästige oder auch schädliche Insekten fangen.
- Chemisch: Die chemische Keule sollten Sie nur bei starkem Befall in Absprache mit dem Tierarzt einsetzen, da diese unter Umständen auch Ihrem Tier schaden können.
Vorbeugung: So schützen Sie sich und Ihre Tiere vor der Hirschlausfliege
Verhaltensregeln
- Meiden Sie bekannte Befallsgebiete während der Hauptsaison (Spätsommer bis Herbst).
- Tragen Sie langärmelige Kleidung und Hosen beim Spaziergang.
- Behandeln Sie Hunde und Pferde prophylaktisch mit geeigneten Schutzmitteln auf Neem- oder Kokosöl-Basis. Selbst Kokosöl pur aufgetragen, bietet schon einen hervorragenden, natürlichen Schutz gegen Insekten.
Umweltfaktoren
Die Hirschlausfliege braucht Wildtiere als Hauptwirte. In Gebieten mit hohem Reh- oder Rotwildbestand kommt sie besonders häufig vor. Feuchte, warme Sommer begünstigen ihre Vermehrung. Ein kalter, trockener Frühling hingegen kann die Population eindämmen.
Zusätzliche Tipps für Pferde- und Hundebesitzer
- Fellpflege: Regelmäßiges Bürsten hilft, Parasiten wie Hirschlausfliegen oder Zecken frühzeitig zu entdecken.
- Stallhygiene: Saubere Stallbedingungen verhindern, dass sich die Insekten über Nacht einnisten.
- Kälte nutzen: Nachts oder früh morgens sind die Insekten weniger aktiv. Nutzen Sie bevorzugt diese Zeiten für Spaziergänge oder Ausritte.
- Natürliche Barrieren: Lavendelpflanzen am Stall oder Hof können abschreckend wirken.
Häufig gestellte Fragen zur Hirschlausfliege
Was ist eine Hirschlausfliege?
Hirschlausfliegen sind blutsaugende Parasiten, die vor allem Wildtiere, aber auch Menschen, Hunde und Pferde befallen.
Warum werden Hirschlausfliegen auch fliegende Zecken genannt?
Der Irrglaube, dass es sich bei der Hirschlausfliege um fliegende Zecken handelt, kommt wegen ihres ähnlichen Aussehens und der Tatsache, dass sie ihre Flügel nach dem Landen abwirft.
Ist die Hirschlausfliege für Menschen gefährlich?
Nicht lebensgefährlich, aber die Stiche sind schmerzhaft und können sich entzünden. Zusätzlich besteht die Gefahr einer bakteriellen Infektion, da die Hirschlausfliege oft Bakterien der Art Bartonella schoenbuchensis in sich trägt.
Ist ein Hirschlausfliege-Stich für Pferde gefährlich?
Ja, denn ein Stich der Hirschlausfliege kann zu Panikreaktionen führen, die Verletzungen der Pferde, aber auch der Reiter mit sich bringen können. Zusätzlich können die Stiche zu entzündlichen Hautstellen führen. Diese können sich entzünden oder eitrig werden und zu Fieber führen.
Wie lange bleibt eine Hirschlausfliege auf dem Wirtstier?
Hirschhausfliegen bleiben so lange, bis sie sich sattgesaugt haben. Das dauert ca. 10-20 Minuten. Danach lassen sie sich einfach fallen und verschwinden wieder. Wenn man sie entdeckt, kann man sie ganz einfach entfernen, da sie nicht festsitzen, wie es bei Zecken der Fall ist.
Sind Hirschlausfliegen für Hunde gefährlich?
In der Regel ist die Hirschhausfliege für Ihren Hund nicht gefährlich. Allerdings kann sie bei Hunden Hautprobleme und starken Juckreiz auslösen, was oftmals zu kahlen Stellen im Fell führt. Wie beim Pferd, kann sich durch einfache oder eitrige Entzündungen der Einstichstellen Fieber entwickeln.
Was hilft gegen Hirschlausfliegen?
Ein Insektenschutz mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Kokosöl, Neemöl und ausgesuchten ätherischen Ölen hilft am besten. Zusätzlich kann eine konsequente Fellkontrolle dabei helfen, dem Stich der Hirschlausfliegen vorzubeugen.
Wie sieht eine Hirschlausfliege aus?
Die Hirschlausfliege sieht einer Zecke sehr ähnlich, nur mit Flügeln. Sie ist flach, braun gefärbt, hat sechs Beine und transparente Flügel (vor dem Abwurf nach der Landung auf dem Wirt).
Wann sind Hirschlausfliegen aktiv?
Die Hauptsaison der Hirschlausfliege ist zwischen August und Oktober. In diesem Zeitraum sind sie tagsüber, bis in die Abendstunden, sehr aktiv. Deshalb sollte man Spaziergänge oder Ausritte lieber in den frühen Morgenstunden planen.
Wo kommen Hirschlausfliegen vor?
Hirschlausfliegen bevorzugen waldreiche Gebiete mit hohem Wildbestand. Hier fühlen sie sich wohl und finden auch genügend Nahrung.
Woher kommen Hirschlausfliegen?
Die Hirschlausfliege kommt ursprünglich aus Europa und Sibirien. Mittlerweile wurde sie aber in vielen Regionen eingeschleppt und ist nun auch dort heimisch. Dazu zählen die USA, Kanada und auch Grönland.
Wie entfernt man eine Hirschlausfliege?
Am besten entfernen Sie die Parasiten, indem Sie sie vorsichtig mit einer Pinzette aus dem Fell ziehen und die Stelle danach desinfizieren.
Beißen oder stechen Hirschlausfliegen?
Die Hirschlausfliege sticht mit einem speziellen Mundwerkzeug in die Haut, um an das begehrte Blut zu gelangen. Ein Biss, wie bei den Bremsen, erfolgt nicht.
Wie kann man Pferde vor Hirschlausfliegen schützen?
Durch ein hochwertiges Insekten- oder Bremsenspray und Pferdeshampoo können die Parasiten zuverlässig ferngehalten werden. Der Gesundheit Ihres Pferdes zuliebe, sollten Sie auf natürliche Produkte setzen und keine chemischen Mittel einsetzen. Einen zusätzlichen Schutz der Pferde wird durch Schutzkleidung erreicht (z. B. Fliegendecken).
Fazit: Vor der Hirschlausfliege kann man sich auch ohne Chemie effektiv schützen
Die Hirschlausfliege mag klein sein, doch ihre Wirkung auf Mensch und Tier ist nicht zu unterschätzen. Ob als „fliegende Zecke“, schmerzhafter Parasit oder Auslöser für Panikreaktionen – sie ist ein ernst zu nehmender Schädling. Mit dem richtigen Wissen und gezielten Maßnahmen lassen sich Befälle jedoch wirksam verhindern und behandeln.
Stellen Sie Ihren Schutz durch natürliche Produkte und bewährte Hausmittel sicher – und genießen Sie wieder entspannte Spaziergänge mit Ihrem Hund oder Ausritte mit Ihrem Pferd.





